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Erste Durchsicht

 

Wenn man dem Wetterbericht entnehmen kann, dass das gute Wetter anhält, ist es sinnvoll die Bienenvölker bei Temperaturen von 12-15 Grad tagsüber, durchzusehen. Vielleicht nicht direkt am ersten Tag. Zudem sollte man den Bienen Gelegenheit geben, sich zu erleichtern, sonst kann man die frisch gewaschene Imkerjacke direkt erneut waschen.

Bei der Durchsicht überprüfen wir jedes Volk auf Weiselrichtigkeit (also, ob Brut = Gesamtheit des Nachwuchs vorhanden ist und sich die Königin somit in Eilage befindet. Manche Königinnen lassen sich etwas Zeit und gehen erst später in die Eilage) und, ob den Bienen noch ausreichend Futter zur Verfügung steht. Dabei entfernen wir die alten Waben und setzen die Völker eng am Schied oder der Futtertasche zusammen, so dass die Bienen mit dem Brutnest direkten Zugang zum Futter haben. Pollenbretter, also Waben mit bereits eingetragenen Blütenpollen, lassen wir für die Herstellung des Futtersaftes für die Aufzucht der Larven vorerst in der Beute.

Stellen wir fest, dass das Futter nicht in ausreichender Menge vorhanden ist – insbesondere da es noch mal kalt werden kann – führen wir eine sogenannte Notfütterung durch. Dafür kann man beispielsweise Futterteig oder vorzugsweise eingelagerte Speckwaben verwenden. Wer noch unerfahren ist, sollte sich mit erfahrenen Imker*innen austauschen. Im Frühjahr ist es meist feucht. Sollte es aber ausgesprochen Trocken sein, kann man den Bienen eine Gelegenheit zum Trinken bereitstellen, da die Bienen ohne Wasser den Futterteig nicht verarbeiten können.
Um die Bienen bei der Stockreinigung zu unterstützen und das Ein- und Ausfliegen zu erleichtern, entfernen wir die toten Bienen. Danach setzen wir den Fluglochkeil wieder ein, bis das Volk an Stärke gewonnen hat oder der volle Flugbetrieb aufgenommen wurde, da es nach wie vor zu Räubereien kommen kann. Sobald dann eingetragen wird, erweitern wir mit neuen Mittelwänden bzw. tauschen alte gegen neue Waben, soweit sie nicht besetzt sind.

 

Meike Röhrig
für den Kölner Imkerverein




DER HONIGBUS – Summen tröstet

von Meredith May

Meredith hat Kummer und ist einsam.
Meredith hat Kummer und ist einsam. Nach der Trennung ihrer Eltern ist die Fünfjährige sich selbst überlassen. Sie zieht mit ihrem kleinen Bruder und ihrer Mutter zu ihren Großeltern an die kalifornische Küste. Diese sind allerdings darüber nicht allzu glücklich und die depressive Mutter zieht sich komplett zurück. Meredith stöbert auf dem Anwesen der Großeltern herum und entdeckt den Honigbus. Darin stehen Gerätschaften, Gläser und Maschinen für die Honigernte und zu ihrer Überraschung freut sich ihr Großvater über ihr Interesse und nimmt sie mit zu seinen Bienen. Nun lernen Meredith – und die Leser – alles über Bienen und das kleine Mädchen überträgt das, was sie lernt, auf das Leben und die Menschen. Die Bienen werden zu ihrer Ersatzfamilie und wenn sie sich verlassen fühlt (und das ist oft!) zeigen ihr die Bienen, wie man zusammenhält und füreinander sorgt. Sie lehren Meredith, anderen zu vertrauen, mutig zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen. Diese summende „Parallelwelt“ tröstet das Mädchen, das vor den Augen der Leser erwachsen wird und „den Stock“ Richtung College verlässt. Das Buch spielt zwischen 1975 und 1987. Schon damals erkennt Merediths Großvater die Gefahren für die Bienen, die von Pestiziden ausgehen. Auch weiß er um den Stress der Wanderbienen. Fast prophetisch warnt er seine Enkelin vor einem Bienensterben. Großvater: „Ich stelle meine Stöcke weit weg von Menschen auf, wo es keine Chemikalien gibt. Auf diese Weise kann ich sie schützen.“ Meredith: „Sind die Bienen in Gefahr?“ Großvater: „Noch nicht, aber wenn wir sie weiterhin wie Sklaven behandeln, könnten wir die Bienen ein für allemal verlieren.“ Über die Autorin Meredith May ist Imkerin in fünfter Generation und preisgekrönte Journalistin. Mit „Der Honigbus“ erzählt sie ihre persönliche Geschichte, warnt aber auch vor der Gefährdung der Bienen durch Pestizide, Stress u. a.. Ein schönes Buch für…. Menschen, die eine traurige aber auch optimistische, sehr persönliche und wahre Coming-of-Age-Geschichte lesen möchten. Menschen, die etwas über das Leben und die Magie der Bienen erfahren möchten. Imker, die sich neben Biologie und Imkerhandwerk auch für das Wesen unserer summenden Freunde interessieren, um auch deren Faszination auf kleine und große Menschen zu verstehen.     Anne Kleiber für den Kölner ImkervereinMehr lesen