Bienensterben – was bedeutet das eigentlich?

Vom „Bienensterben“ ist häufig die Rede. Doch welche Bienen sind eigentlich gemeint?

Bienensterben?Die Antwort ist nicht ganz einfach. Denn die Honigbiene, die von Imkerinnen und Imkern in Völkern gehalten und betreut wird, steht vor anderen Problemen als die vielen hundert Wildbienenarten, die ohne menschliche Betreuung in unserer Landschaft leben.

Beiden gemeinsam ist jedoch: Ihr Lebensraum verändert sich – und das macht ihnen das Leben schwerer.

Ein winziger Parasit mit großen Folgen

Für unsere Honigbienen gehört die Varroamilbe zu den größten Herausforderungen. Der ursprünglich aus Asien stammende Parasit gelangte im 20. Jahrhundert nach Europa und ist heute nahezu überall dort anzutreffen, wo Honigbienen gehalten werden.

Die Milbe lebt auf den Bienen und vermehrt sich in der verdeckelten Brut. Dabei schädigt sie die heranwachsenden Bienen und kann außerdem gefährliche Viren übertragen.

Für ein unbehandeltes Honigbienenvolk kann ein starker Varroabefall tödlich enden.

Deshalb gehört die Kontrolle der Varroamilbe heute ganz selbstverständlich zur Arbeit eines verantwortungsvollen Imkers. Je nach Jahreszeit und Situation kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Dazu gehören auch zugelassene Behandlungsmethoden beispielsweise mit organischen Säuren.

Der Imker erntet also nicht nur Honig – er trägt Verantwortung für die Gesundheit seiner Bienenvölker.

Aber eine Biene braucht mehr als einen gesunden Bienenstock

Selbst das gesündeste Bienenvolk kann nicht ohne Nahrung leben.

Bienen benötigen vom Frühjahr bis in den Herbst ein möglichst vielfältiges Angebot an Nektar und Pollen. Fehlen über längere Zeit geeignete Blüten, entstehen sogenannte Trachtlücken. Besonders problematisch wird es, wenn abwechslungsreiche Lebensräume verschwinden und große Flächen den Bienen nur für kurze Zeit Nahrung bieten.

Hinzu kommen weitere Belastungen. Dazu können Krankheiten und Parasiten, ungünstige Witterungsverläufe sowie Pflanzenschutzmittel gehören. Bestimmte Wirkstoffe können Insekten direkt schädigen; andere können bereits in geringeren Dosen Auswirkungen auf Verhalten und Orientierung haben.

Deshalb ist der verantwortungsvolle Umgang mit Pflanzenschutzmitteln ein wichtiger Bestandteil des Bienenschutzes.

Und was ist mit den Wildbienen?

Hier wird der Begriff „Bienensterben“ besonders wichtig.

Eine Honigbiene lebt in einem vom Imker betreuten Volk. Wird ein Volk krank oder gerät in Futternot, kann der Imker eingreifen.

Eine Wildbiene hat keinen Imker.

Sie ist darauf angewiesen, dass sie alles selbst findet: geeignete Blüten, ausreichend Nahrung und einen passenden Platz für ihren Nachwuchs. Fehlt nur eines davon, kann eine lokale Population verschwinden.

Dabei sind die Ansprüche erstaunlich unterschiedlich. Manche Wildbienen benötigen offene Sandböden, andere Hohlräume oder abgestorbene Pflanzenstängel. Einige sammeln Pollen an vielen verschiedenen Pflanzen, andere sind auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert.

Deshalb reicht es nicht, einfach irgendwo ein „Insektenhotel“ aufzustellen.

Wildbienenschutz bedeutet vor allem Lebensraumschutz.

Blütenreiche Flächen, heimische Pflanzen, offene Bodenstellen, Totholz und stehen gelassene Pflanzenstängel können dabei oft mehr bewirken als eine gekaufte Nisthilfe.

Was können wir selbst tun?

Bienenschutz beginnt nicht erst beim Imker und auch nicht irgendwo weit draußen auf dem Land. Er kann im eigenen Garten, auf dem Balkon, auf öffentlichen Grünflächen und mitten in Köln beginnen.

Jede zusätzliche geeignete Blütenpflanze kann Nahrung bieten. Jede unversiegelte Fläche kann Lebensraum sein. Und manchmal hilft es sogar, einfach etwas nicht zu tun: nicht jeden Pflanzenstängel sofort abschneiden, nicht jede wilde Ecke beseitigen und nicht jeden Quadratmeter Garten „aufräumen“.

Denn beim Thema Bienen geht es um weit mehr als Honig.

Es geht darum, Lebensräume zu erhalten – für Honigbienen, Wildbienen und viele andere Insekten, die gemeinsam dafür sorgen, dass es um uns herum blüht, wächst und Früchte trägt.

Den bisherigen Schlusssatz „Auf dem Land dagegen nimmt die Zahl der Bienen stetig ab“ würde ich übrigens nicht übernehmen. Er ist zu pauschal und vermischt Anzahl gehaltener Honigbienenvölker, Bestandsentwicklung von Wildbienen und Biodiversität. Gerade auf einer Imkervereinsseite sollten wir diese Dinge sauber auseinanderhalten.

Bienensterben?

Bienensterben ist traurige Realität

Früher gehörte dieser Anblick ganz selbstverständlich zum Frühjahr: Ein Bienenschwarm hatte sich in einem Baum niedergelassen. Tausende Bienen bildeten eine große Traube, während Kundschafterinnen bereits nach einer geeigneten neuen Behausung suchten.

Das Schwärmen gibt es noch heute. Es ist die natürliche Art, wie sich ein Honigbienenvolk vermehrt.

Doch etwas hat sich verändert.

Ein ausgezogener Honigbienenschwarm kann durchaus eine geeignete Behausung finden und zunächst ohne menschliche Hilfe leben. Langfristig sind seine Überlebenschancen in unserer heutigen Umwelt jedoch gering. Geeignete natürliche Nistplätze sind selten geworden, und vor allem die Varroamilbe und die mit ihr verbundenen Viruserkrankungen setzen unbehandelten Bienenvölkern erheblich zu.

Deshalb ist die Aussage, die Honigbiene könne grundsätzlich nicht mehr ohne den Imker überleben, etwas zu einfach. Treffender ist:

Unsere Honigbienen brauchen heute vielerorts die Unterstützung und Fürsorge verantwortungsvoller Imkerinnen und Imker.

Doch wenn wir über „Bienensterben“ sprechen, dürfen wir nicht nur an die Honigbiene denken.

Während Honigbienenvölker von Menschen betreut werden, haben Wildbienen, Hummeln und viele andere Insekten keinen Imker, der ihnen helfen kann. Sie sind unmittelbar darauf angewiesen, geeignete Lebensräume, Nistmöglichkeiten und ausreichend Nahrung zu finden. Verschwinden diese, verschwinden mit ihnen auch die Tiere.

Und genau deshalb betrifft uns das Thema alle.

Bienen bestäuben eine große Zahl von Wild- und Kulturpflanzen. Damit tragen sie dazu bei, dass Pflanzen Früchte und Samen bilden können – und sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ökosysteme und unserer Nahrungsmittelproduktion. Die Honigbiene schenkt uns darüber hinaus wertvolle Bienenprodukte wie Honig, Wachs und Propolis.

Doch vielleicht ist ihre wichtigste Leistung diejenige, die wir nicht in einem Glas mit nach Hause nehmen können:

die Bestäubung.

Wir vom Kölner Imkerverein möchten deshalb mehr sein als Menschen, die Bienen halten und Honig ernten. Wir möchten Wissen vermitteln, Begeisterung wecken und dazu beitragen, dass Bienen und andere Insekten auch in Zukunft einen Platz in unserer Stadt und unserer Landschaft finden.

Denn Bienenschutz beginnt nicht erst am Bienenstock.

Er beginnt bei der Frage, welche Pflanzen wir setzen, wie wir unsere Gärten gestalten, wie viel Natur wir zulassen und welchen Lebensraum wir kommenden Generationen hinterlassen.

Wir Menschen tragen Verantwortung dafür, wie wir mit unserer Umwelt und ihren Ressourcen umgehen.

Noch können wir viel bewirken.

Und manchmal beginnt das bereits mit einer kleinen Entscheidung:

eine Blüte mehr, ein Stück Natur mehr – und ein bisschen weniger Ordnung an der richtigen Stelle.

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