Wildbienen – die stillen Nachbarn der Honigbiene

Wildbienen

Wenn wir von Bienen sprechen, denken die meisten Menschen zuerst an Honig, Bienenstöcke und große Völker mit einer Königin. Doch die Welt der Bienen ist sehr viel größer.

In Deutschland leben mehr als 500 verschiedene Wildbienenarten. Dazu gehören winzige Arten von nur wenigen Millimetern Größe ebenso wie die großen, auffällig brummenden Hummeln – denn auch sie zählen zu den Wildbienen.

Viele dieser Arten führen ein Leben, das mit dem unserer Honigbiene wenig gemeinsam hat. Während in einem Honigbienenvolk im Sommer Zehntausende Tiere zusammenleben, sind die meisten Wildbienen Einzelgängerinnen. Es gibt keine Königin, keine Arbeiterinnen und keinen großen Bienenstaat.

Jedes Weibchen kümmert sich selbst um seinen Nachwuchs.

Dafür sucht es einen geeigneten Nistplatz. Manche Arten nutzen vorhandene Hohlräume in Holz, hohle Pflanzenstängel oder andere kleine Öffnungen. Dort legt das Weibchen einzelne Brutzellen an, trägt Pollen und Nektar als Nahrungsvorrat hinein, legt jeweils ein Ei dazu und verschließt die Kammern sorgfältig – je nach Art beispielsweise mit Lehm, Pflanzenmaterial oder anderen natürlichen Baustoffen.

Wer eine gut angenommene Wildbienennisthilfe beobachtet, kann dieses Treiben wunderbar verfolgen. Plötzlich herrscht vor einem unscheinbaren kleinen Loch reger Flugverkehr.

Doch genau hier entsteht leicht ein falsches Bild.

Die meisten Wildbienen brauchen überhaupt kein „Insektenhotel“.

Ein großer Teil der heimischen Arten nistet im Boden. Sie benötigen offene oder nur spärlich bewachsene Flächen, sandige Stellen, Böschungen oder andere geeignete Bodenstrukturen, in die sie ihre Niströhren graben können. Ein perfekt aufgeräumter Garten mit dichtem Rasen, Pflastersteinen und versiegelten Flächen bietet ihnen deshalb nur wenig Lebensraum.

Und ein Nistplatz allein genügt ohnehin nicht.

Wildbienen brauchen in unmittelbarer Umgebung geeignete Blüten. Manche Arten sind bei der Nahrungssuche ausgesprochen spezialisiert und sammeln Pollen nur von bestimmten Pflanzenfamilien oder sogar wenigen Pflanzenarten. Verschwindet die passende Pflanze, verschwindet deshalb möglicherweise auch die dazugehörige Wildbiene.

Genau das macht ihren Schutz so anspruchsvoll: Wildbienen brauchen beides – Nahrung und einen geeigneten Platz für ihren Nachwuchs.

Für Menschen sind diese kleinen Nachbarn dabei normalerweise völlig unproblematisch. Solitär lebende Wildbienen verteidigen kein großes Volk und keinen Honigvorrat. Viele Arten sind ausgesprochen friedlich; bei manchen ist der Stachel sogar so fein, dass er die menschliche Haut kaum durchdringen kann.

Wer Wildbienen helfen möchte, muss deshalb nicht unbedingt ein großes Insektenhotel kaufen. Oft ist viel mehr gewonnen, wenn im Garten heimische Pflanzen blühen dürfen, offene Bodenstellen erhalten bleiben, abgestorbene Stängel stehen bleiben und ein wenig natürliche Unordnung zugelassen wird.

Denn manchmal sieht wirksamer Artenschutz erstaunlich unspektakulär aus:

ein Stück offene Erde, ein trockener Pflanzenstängel und die richtige Blüte zur richtigen Zeit.

Die wichtigen wilden Schwestern der Honigbiene

Unser Verhältnis zu Insekten ist nicht immer ganz vorurteilsfrei. Es summt am Kuchenteller, etwas Schwarz-Gelbes fliegt um das Getränk – und schon heißt es schnell: „Vorsicht, eine Biene!“

Dabei lohnt sich ein genauerer Blick.

Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und Wespen gehören zwar alle zu den Hautflüglern, führen aber zum Teil völlig unterschiedliche Leben. Und längst nicht jedes Insekt, das uns begegnet, interessiert sich für unser Essen – geschweige denn dafür, uns zu stechen.

Besonders die Wildbienen leben meist sehr zurückgezogen. Die überwiegende Mehrheit bildet keine großen Staaten, verteidigt keinen Honigvorrat und hat deshalb wenig Anlass, sich mit uns Menschen anzulegen. Viele Arten begegnen uns beinahe unbemerkt, obwohl sie in Gärten, Parks und auf Grünflächen direkt in unserer Nachbarschaft leben.

Auch bei Wespen lohnt es sich zu unterscheiden. Nur wenige der heimischen Wespenarten interessieren sich überhaupt für unsere Speisen und Getränke. Die meisten führen ein Leben, von dem wir kaum etwas mitbekommen. Staatenbildende Arten können allerdings ihr Nest und ihre Brut energisch verteidigen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Ein Stich ist also kein Ausdruck von Angriffslust, sondern in aller Regel Verteidigung.

Und während wir uns manchmal über die summenden Besucher ärgern, leisten sie draußen längst wertvolle Arbeit. Wildbienen und Hummeln bestäuben Blüten, Wespen erbeuten zahlreiche andere Insekten und alle sind Teil eines komplexen Ökosystems.

Gerade die Wildbienen sind dabei faszinierende Verwandte unserer Honigbiene. Manche sind nur wenige Millimeter groß, andere kräftig und auffällig. Einige sammeln Pollen ausschließlich an bestimmten Pflanzen, andere sind weniger wählerisch. Manche nisten in kleinen Hohlräumen, andere graben ihre Kinderstuben in den Boden.

Es gibt also nicht „die Wildbiene“ – sondern eine erstaunliche Vielfalt ganz unterschiedlicher Arten und Lebensweisen.

Vielleicht verändert sich unser Blick auf diese Tiere schon dadurch ein wenig. Denn was wir kennen und verstehen, empfinden wir meist nicht mehr so schnell als störend oder bedrohlich.

Unsere Honigbiene hat viele wilde Schwestern. Und es lohnt sich, sie kennenzulernen.

Wildbienen dagegen sind Solitärbienen, d.h. sie sind Einzelgänger und daher völlig friedliebend (nur Hummeln bilden einen Staat). Es gibt in unseren Ballungsräumen immer weniger Naturgärten und in unseren durchgestylten Nutzgärten fehlen den Insekten die natürlichen Brutplätze (Totholz, Lehmwände sowie markhaltige und hohle Stängel von Büschen und Gehölzen etc.) Daher siedeln sich Wildbienen und Wespen gerne in Mauerritzen am Haus, in Rolladenkästen oder unter Gartentischen und -stühlen an. Nicht selten bleiben sie unseren Stadtgärten fern. Wildbienen sind aber unerlässlich für die Bestäubung von Obstgärten und zur natürlichen Bekämpfung von Schädlingen. Ihnen kommt deshalb eine große ökologische und ökonomische Bedeutung zu, denn ohne sie gibt es schlechtere Obst- und Samenernten. Ca. 80% der Bestäubung findet durch die Bienen und anderen Insekten statt. Nur ca. 20% erfolgt durch die Witterung (Wind). Es ist auch aus Eigennutz wichtig, ihnen geeignete Brutplätze zu schaffen. Den Wildbienen einen Platz zur Aufzucht ihrer Brut anzubieten, ist somit gelebter Natur-, Umwelt- und Artenschutz.

Wie sieht das Brutgeschäft einer Wildbiene aus?

Was in einer kleinen Röhre im Holz oder in einem hohlen Pflanzenstängel geschieht, bleibt unseren Blicken meistens verborgen. Dabei spielt sich dort eine erstaunlich gut organisierte Geschichte ab.

Alles beginnt mit den ersten warmen Tagen des Jahres.

Bei vielen früh fliegenden Wildbienenarten erscheinen zunächst die Männchen. Sie warten in der Nähe der Nistplätze auf die Weibchen. Nach der Paarung beginnt für das Weibchen die eigentliche Arbeit – und die erledigt es bei den meisten Wildbienen ganz allein.

Zunächst sucht es einen geeigneten Nistplatz. Bei hohlraumbewohnenden Arten kann das beispielsweise ein hohler Pflanzenstängel, ein vorhandener Fraßgang im Holz oder die Röhre einer geeigneten Nisthilfe sein.

Dann beginnt der Nestbau.

Bei Arten, die solche Hohlräume nutzen, entstehen häufig mehrere Brutzellen hintereinander – wie die Zimmer eines langen, schmalen Hauses. In jede einzelne Kammer trägt das Weibchen Pollen und Nektar ein. Dieser Nahrungsvorrat ist für eine Larve bestimmt, die ihre Mutter später niemals kennenlernen wird.

Ist genügend Proviant vorhanden, legt die Wildbiene ein Ei darauf und verschließt die Brutzelle. Je nach Wildbienenart verwendet sie dafür ganz unterschiedliche Baumaterialien – beispielsweise Lehm, Pflanzenstücke, Pflanzenhaare oder Harz.

Dann entsteht die nächste Kammer.

Proviant sammeln. Ei legen. Kammer verschließen. Und wieder von vorn.

Besonders raffiniert ist bei vielen Arten die Reihenfolge der Nachkommen. Aus befruchteten Eiern entstehen Weibchen, aus unbefruchteten Eiern Männchen. Die weiblichen Nachkommen werden häufig weiter hinten im geschützteren Bereich des Nestes angelegt, die männlichen weiter vorne.

Das hat einen guten Grund.

Im nächsten Frühjahr schlüpfen die weiter vorne liegenden Männchen zuerst. Wenn etwas später die Weibchen erscheinen, warten die Männchen bereits auf sie – und der Kreislauf kann von Neuem beginnen.

Bis dahin geschieht hinter den verschlossenen Wänden Erstaunliches. Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die den von ihrer Mutter angelegten Nahrungsvorrat verzehrt, wächst und sich mehrfach häutet. Je nach Art verpuppt sie sich anschließend und verbringt einen Teil ihrer Entwicklung geschützt in ihrer Brutzelle.

Von außen ist davon fast nichts zu sehen.

Eine verschlossene kleine Öffnung – und dahinter wächst eine neue Generation heran.

Manche Arten legen am Nesteingang zusätzlich eine oder mehrere leere Zellen an. Solche sogenannten Leer- oder Vestibularzellen können zusätzlichen Abstand zwischen dem Nestverschluss und der eigentlichen Brut schaffen und damit einen gewissen Schutz bieten.

Im kommenden Jahr beginnt schließlich das große Schlüpfen. Die jungen Wildbienen arbeiten sich aus ihren Brutzellen heraus, verlassen ihr Nest – und kurze Zeit später beginnt alles wieder von vorn.

Was für uns wie ein unscheinbares Loch in einem Stück Holz aussieht, ist deshalb in Wirklichkeit etwas ganz anderes:

eine Kinderstube für die nächste Generation Wildbienen.

Ein fachlicher Punkt ist mir dabei wichtig: Den ursprünglichen Satz, dass die äußerste Zelle grundsätzlich leer bleibt, damit ein Fressfeind anschließend zur nächsten Brutröhre wechselt, würde ich so nicht übernehmen. Leerzellen kommen bei bestimmten Arten vor, sind aber keine allgemeingültige Regel für Wildbienen. Ebenso unterscheiden sich Nestbau und Entwicklung zwischen den vielen Wildbienenarten erheblich. Deshalb habe ich bewusst Formulierungen wie „bei vielen Arten“ und „je nach Art“ verwendet.

Die Wildbienen bestäubten die Blüten deutlich effizienter als ihre domestizierten Verwandten. Sie erreichen mit der gleichen Zahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen – unabhängig vom Anbausystem und der Feldfrucht. Oder anders formuliert: 100 Honigbienen plus 50 Wildbienen bestäuben ein Feld viel effektiver als 150 Honigbienen.

Wildbiene des Jahres

Die Insekten im direkten Vergleich

Biene, Hummel, Wespe Und Hornisse

Die Biene

Sie fliegt hauptsächlich Blüten an, um Nektar und Pollen zu sammeln. Das macht die Biene zum weltweit wichtigsten Bestäubungsinsekt. Sie erntet aber auch bei Blattläusen Honigtau und nimmt Baumharze auf. An der Kaffeetafel sieht man sie nur sehr selten.

Biene, Hummel, Wespe Und Hornisse

Die Hummel

Auf den Betrachter wirken die Hummelarten eher „plump“ und behäbig. Sie fliegen langsam und gemütlich von Blüte zu Blüte und sind sehr wichtig für die Bestäubung von Pflanzen. Die Hummel ist ein sehr friedliches Tier und flieht eher, als dass sie sticht. An der Kuchentafel ist sie nicht anzutreffen.

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Biene, Hummel, Wespe Und Hornisse

Die Wespe

Durch die nervöse Flugart der  Gemeinen Wespe u. Deutschen Wespe erscheinen diese dem Laien angriffslustig.  Sie sind leider häufig in Bäckereien, an der Kuchentafel oder beim Grillen anzutreffen. Aggressiv werden sie nur bei Bedrohung.

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Biene, Hummel, Wespe Und Hornisse

Die Hornisse

Die Hornisse ist die größte aller Wespen. Sie ist sehr wichtig für die Schädlingsbekämpfung.  Aggressiv wird das friedliche Insekt nur bei Bedrohung, z.B. durch hektisches Schlagen mit der Hand. An der Kuchentafel sieht man sie nur selten.

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