Alles Bio, oder was?

Naturnah imkern – Verantwortung für Bienen und Natur
Unterschiedliche Wege, ein gemeinsames Ziel: gesunde Bienenvölker und eine verantwortungsvolle Imkerei.
Wer sich mit der Imkerei beschäftigt, stellt schnell fest: Den einen, einzig richtigen Weg gibt es nicht. Innerhalb der Imkerschaft bestehen unterschiedliche Auffassungen darüber, wie Bienen am besten gehalten und betreut werden sollten. Das beginnt bei der Wahl der Bienenbeute, setzt sich bei den Betriebsweisen fort und reicht bis zu Fragen der Bienenzucht, der Honigernte und der Gesunderhaltung der Völker.
Gerade für Menschen, die neu mit der Imkerei beginnen, stellt sich deshalb früher oder später eine grundsätzliche Frage: Wie möchte ich imkern – konventionell, ökologisch oder möglichst naturnah?
Insbesondere bei jüngeren Imkerinnen und Imkern wächst das Interesse an alternativen Betriebsweisen, nachhaltigen Konzepten und einem bewussteren Umgang mit den natürlichen Bedürfnissen der Honigbiene.
Was bedeutet naturnahe Imkerei?
Begriffe wie „ökologisch“, „biologisch“ oder „wesensgemäß“ werden häufig verwendet, wenn es um eine besonders naturorientierte Bienenhaltung geht. Auch wenn sich die dahinterstehenden Konzepte in einzelnen Punkten unterscheiden, verbindet sie ein wesentlicher Gedanke: Die natürlichen Lebensabläufe des Bienenvolkes sollen möglichst respektiert und bei imkerlichen Entscheidungen berücksichtigt werden.
Naturnah zu imkern bedeutet deshalb nicht, auf jede Einflussnahme zu verzichten. Vielmehr geht es darum, Eingriffe bewusst abzuwägen, auf das notwendige Maß zu beschränken und die Bedürfnisse des Bienenvolkes in den Mittelpunkt zu stellen.
Die Grundgedanken einer naturnahen Bienenhaltung
Eine möglichst naturnahe Imkerei kann unterschiedliche Aspekte umfassen:
- Naturwabenbau: Den Bienen ermöglichen, ihre Waben weitgehend selbst zu errichten, anstatt ausschließlich vorgefertigte Mittelwände einzusetzen.
- Respekt vor dem Schwarmtrieb: Den natürlichen Vermehrungstrieb des Bienenvolkes als Bestandteil seiner Biologie verstehen und in die Betriebsweise einbeziehen.
- Verantwortungsvolle Honigernte: Nur so viel Honig entnehmen, wie es die Entwicklung und Versorgung des Bienenvolkes zulassen, und stets ausreichende Futtervorräte sicherstellen.
- Bienengesundheit: Krankheiten und Parasiten, insbesondere die Varroamilbe, konsequent überwachen und mit geeigneten, zugelassenen Verfahren bekämpfen.
- Natürliche Fortpflanzung: Der natürlichen Begattung von Königinnen Raum geben und auf eine gezielte Zuchtauswahl gegebenenfalls verzichten.
- Schonende Betriebsweise: Eingriffe in das Bienenvolk auf das erforderliche Maß begrenzen und dabei die natürlichen Entwicklungszyklen berücksichtigen.
Nicht jeder dieser Ansätze lässt sich an jedem Standort oder unter allen imkerlichen Bedingungen gleichermaßen verwirklichen. Naturnahe Imkerei ist daher kein starres Regelwerk, sondern eine bewusste Haltung gegenüber dem Lebewesen Biene.
Naturnah bedeutet nicht, die Bienen sich selbst zu überlassen
So wichtig die Orientierung an natürlichen Abläufen ist, so unverzichtbar bleibt die Verantwortung des Menschen für seine Bienenvölker.
Unsere heutigen Honigbienen leben unter Bedingungen, die sich erheblich von denen früherer Zeiten unterscheiden. Die eingeschleppte Varroamilbe, ein regional und jahreszeitlich eingeschränktes Nahrungsangebot sowie weitere Umweltbelastungen stellen die Bienenvölker vor große Herausforderungen.
Einfach auf notwendige Kontrollen, Pflegemaßnahmen oder die Behandlung gegen die Varroamilbe zu verzichten, wäre deshalb kein Ausdruck besonderer Natürlichkeit, sondern könnte die Gesundheit und das Überleben der Bienenvölker gefährden.
Verantwortungsvolle Imkerei bedeutet, die natürlichen Bedürfnisse der Bienen zu achten und gleichzeitig dort einzugreifen, wo ihre Gesundheit oder ihr Überleben gefährdet sind.
Unterschiedliche Betriebsweisen verdienen Respekt
Im Kölner Imkerverein von 1882 e. V. verstehen wir die Vielfalt imkerlicher Betriebsweisen als Bereicherung.
Ob konventionell, ökologisch oder wesensgemäß orientiert: Entscheidend ist nicht allein die Bezeichnung einer Betriebsweise, sondern wie verantwortungsvoll sie in der Praxis umgesetzt wird.
Wir möchten den fachlichen Austausch fördern, unterschiedliche Erfahrungen zusammenbringen und offen für neue Erkenntnisse bleiben. Denn die Imkerei entwickelt sich stetig weiter – durch wissenschaftliche Forschung ebenso wie durch die praktischen Erfahrungen der Imkerinnen und Imker.
Dabei sollte uns eines stets verbinden: der respektvolle Umgang mit unseren Bienen, die Sorge um ihre Gesundheit und das Bewusstsein für unsere Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt.
Unser Leitgedanke
„Tun, was nötig ist – und lassen, was möglich ist.“
Dieser einfache Grundsatz bringt den Gedanken einer naturnahen und verantwortungsvollen Imkerei auf den Punkt.
Nicht jeder Eingriff, der technisch möglich ist, muss auch durchgeführt werden. Doch jede Maßnahme, die für das Wohl und die Gesundheit unserer Bienenvölker notwendig ist, gehört zu unserer Verantwortung.
Denn gute Imkerei beginnt nicht mit der Frage, wie viel wir aus einem Bienenvolk herausholen können, sondern damit, wie gut wir seine Bedürfnisse verstehen.
