Wildbienen

Es gibt in Deutschland über 500 Arten von Wildbienen; die Hälfte steht unter Artenschutz, da vom Aussterben bedroht. Auch diese meist unscheinbaren und unbekannten Bienen sind sehr wichtig. Sie sind keine Bedrohung für den Menschen. Sie bilden in der Regel keine Staaten, sondern leben solitär. Sie fallen höchstens auf, wenn sie im Frühjahr in kleinen Löchern ihre Eier ablegen wollen und mit einer Art Mörtel verschließen. Diese finden sie meist in Astlöchern, Holztischen oder Bambusröhren.

Die wichtigen wilden Schwestern der Honigbiene

Unser Verhältnis zu Insekten ist selten frei von Vorurteilen. Bienen und besonders Wespen nehmen wir nicht selten als lästige, stechende Störenfriede wahr, wenn wir im Garten oder auf dem Balkon sitzen und uns beim Essen und Trinken entspannen möchten. Dabei greifen Bienen und Wespen den Menschen nur deshalb an, weil sie ein Nest verteidigen und ihre Brut im Staatenverbund ernähren müssen.

Wildbienen dagegen sind Solitärbienen, d.h. sie sind Einzelgänger und daher völlig friedliebend (nur Hummeln bilden einen Staat). Es gibt in unseren Ballungsräumen immer weniger Naturgärten und in unseren durchgestylten Nutzgärten fehlen den Insekten die natürlichen Brutplätze (Totholz, Lehmwände sowie markhaltige und hohle Stängel von Büschen und Gehölzen etc.) Daher siedeln sich Wildbienen und Wespen gerne in Mauerritzen am Haus, in Rolladenkästen oder unter Gartentischen und -stühlen an. Nicht selten bleiben sie unseren Stadtgärten fern. Wildbienen sind aber unerlässlich für die Bestäubung von Obstgärten und zur natürlichen Bekämpfung von Schädlingen. Ihnen kommt deshalb eine große ökologische und ökonomische Bedeutung zu, denn ohne sie gibt es schlechtere Obst- und Samenernten. Ca. 80% der Bestäubung findet durch die Bienen und anderen Insekten statt. Nur ca. 20% erfolgt durch die Witterung (Wind). Es ist auch aus Eigennutz wichtig, ihnen geeignete Brutplätze zu schaffen. Den Wildbienen einen Platz zur Aufzucht ihrer Brut anzubieten, ist somit gelebter Natur-, Umwelt- und Artenschutz.

Wie sieht das Brutgeschäft einer Wildbiene aus?

In den ersten warmen Tagen im Frühjahr erscheinen die Männchen und warten auf die Weibchen, um diese zu begatten. Nach erfolgter Begattung sucht das Weibchen einen geeigneten Nistplatz, um dort ein Liniennest anzulegen, d.h. es werden mehrere Brutkammern in einer Linie hintereinander in der Bruthöhle angelegt, mit Pollen und Nektar versehen (bei Wildwespen mit Blattläusen, kleinen Spinnen o.ä.) und mit jeweils einem Ei bestückt. Danach wird jede Brutzelle separat mit einem Lehm-Speichelgemisch verschlossen. Im Nest häutet sich die Larve mehrfach und spinnt sich, nach dem Auffressen der Brutnahrung, in einen Kokon ein und überwintert. Die befruchteten Eier, aus denen sich die Weibchen entwickeln, werden hinten in das Nest gelegt. Die Eier aus denen die Männchen schlüpfen, nach vorne. Somit ist geregelt, dass die männlichen Tiere vor den weiblichen schlüpfen und schon da sind, wenn die Weibchen das Nest verlassen. Die letzte, nach außen gerichtete Brutzelle, wird nicht mit einem Ei belegt. Öffnet ein Fressfeind die Zelle und findet keine Brut vor, so wendet er sich der nächsten Brutröhre zu und die restliche Brut ist geschützt.

Die Wildbienen bestäubten die Blüten deutlich effizienter als ihre domestizierten Verwandten. Sie erreichen mit der gleichen Zahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen – unabhängig vom Anbausystem und der Feldfrucht. Oder anders formuliert: 100 Honigbienen plus 50 Wildbienen bestäuben ein Feld viel effektiver als 150 Honigbienen.